Interview mit dem Bezirksausschussvorsitzenden Wolfgang Kuhn
Wadlbeißer: Was sind Stärken und was Herausforderungen Moosachs?
Kuhn: Moosach ist seit der Eingemeindung im Jahr 1913 Teil Münchens, einer Stadt, in der heute ca. 1,6 Millionen Menschen leben und die weiter wächst. Dass es z.B. gelungen ist, bayerisches Brauchtum in einem heute noch erkennbaren Dorfensemble zu erhalten, stärkt die Identifizierung der Menschen mit dem Stadtteil. Daneben werden die zukunftsweisenden notwendigen Veränderungen im Stadtviertel sicher auch eine Herausforderung für die Bevölkerung darstellen.
Wadlbeißer: In Zeiten gefühlter Spaltung unserer Gesellschaft beweist Moosach unter dem Motto „Wir alle sind Moosach.“ viel Einigkeit.
Kuhn: Weltweit lässt sich eine Zunahme extremer, unversöhnlicher Meinungen, von gesellschaftlicher Spaltung, von Hetze und Beleidigungen ausmachen. Es stimmt mich hoffnungsvoll, dass wir in Moosach einen anderen Weg gehen: erst Meinungen und Argumente austauschen, diese durchaus mal länger diskutieren und am Ende den Kompromiss erzeugen, den möglichst viele akzeptieren können. Demokratie ist manchmal anstrengend, Diktatoren und Autokraten hinterlassen jedoch regelmäßig Verwüstungen.
Wadlbeißer: Sie sind Präsident der Eigenheimer-verbände Bayern und Deutschland. Was machen Sie in dieser Funktion und was hat das mit SPD zu tun?
Kuhn: Viele Mitglieder der Eigenheimerverbände hatten ganz normale Berufe wie Kraftfahrer, Krankenschwester oder handwerkliche Berufe und haben es damit zu kleinem Wohlstand, hier in Form von Wohneigentum, gebracht, auch durch die Politik der SPD in den vergangenen Jahrzehnten. Seit geraumer Zeit sind die Wohnungsmärkte in Ballungsräumen jedoch dermaßen gestört, dass bereits der Mittelstand Probleme hat, sich am Markt noch zu behaupten. Bezahlbare Mieten und der Zugang von normalen Menschen zum Immobilienmarkt hängen mehr zusammen als mancher so denkt. Insoweit kämpfe ich auch in diesen Positionen für bezahlbaren Wohnraum für möglichst viele Menschen.
Wadlbeißer: Sie kandidieren diesmal nicht nur erneut für den Bezirksausschuss, sondern auch für den Stadtrat. Doch keine Lust mehr auf Moosach?
Kuhn: Ganz im Gegenteil. Als BA-Vorsitzender musste ich feststellen, dass man nicht immer alle Dinge zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger beeinflussen kann. Das will ich ändern. Und nach 35 Jahren als Teil der Stadtverwaltung will ich dieses Wissen in die politische Arbeit des Stadtrats positiv inspirierend einbringen.
Wadlbeißer: Welche Projekte für Moosach stehen dennoch in Zukunft an?
Kuhn: Die Vision der SPD eines durch den ÖPNV gut angebundenen Stadtteils mit städtebaulichen Verbesserungen an seinen „Schmuddelecken“ ist in Moosach erkennbar umgesetzt worden. Aber wir haben durchaus noch Ideen für mehr Aufenthaltsqualitäten im Viertel, Steigerung des Wohnraumangebots vor Ort und zur Versorgung der jetzigen und zukünftigen Bevölkerung mit zukunftsfähiger, nachhaltiger und langfristig bezahlbarer (Heiz-)Energie.
Wadlbeißer: Was ist Ihr Wunsch für Moosach?
Kuhn: Dass Moosach sich seine liebenswerte Art erhalten kann, dass unangenehme Entwicklungen dauerhaft gestoppt werden und dass es im Viertel immer Menschen gibt, die sich einbringen und so zum Wohle der Gesellschaft des Stadtteils beitragen.